WHISper
Café - Kultur - Wohnen - Inklusion 

Projekt WHISper – Café, Kultur, Wohnen und Inklusion im Seefeld

 

Bekannterweise ist es nicht ganz einfach, an bezahlbaren Wohn- und Gewerberaum im Zürcher Seefeldquartier zu kommen. Die Objekte sind rar, die Preise hoch. Eines der wenigen grossen Überbauungsprojekte der letzten Jahre war die Siedlung Hornbach. Darüber wurde in der Stadt am 14. Juni 2015 abgestimmt. Ein Objektkredit über 100 Millionen Franken für 122 Wohnungen, Gewerbeflächen, Kinderbetreuungseinrichtungen sowie einen Werkhof für Grün Stadt Zürich kam damals an die Urne. Das Zürcher Stimmvolk bewilligte den Kredit und bereits fünf Jahre später war die Siedlung fertiggestellt.

Das Interesse für die 122 Wohnungen war riesig. An der Wohnungslotterie der Liegenschaftenverwaltung beteiligten sich über 10'000 Leute, wovon 630 schliesslich zu einer Besichtigung eingeladen wurden. Die Vergabe für die Gewerberäume lief hingegen über ein aufwändiges Bewerbungsverfahren. Bis Ende Juli 2020 mussten Interessierte ein Projekt einreichen, das anschliessend von einer Kommission geprüft wurde. Um diese Chance nicht zu verpassen, beschlossen wir im Juni 2020, uns für zwei der Gewerberäume zu bewerben. Vom Entscheid bis zum Ende der Eingabefrist verblieb uns allerdings gerade mal ein Monat. Es wurde deshalb sofort eine Arbeitsgruppe gebildet, die in Windeseile ein Konzept für ein inklusives Kulturcafé mit geschützten Arbeitsplätzen sowie flexiblen Atelierräumlichkeiten erarbeitete, welches wir unter dem Projekttitel "WHISper" pünktlich am 31. Juli 2020 einreichten. 

Einige Wochen später wurden wir von besagter Kommission zu einer Präsentation unseres Projekts eingeladen. Offenbar gefiel ihnen unser Vorschlag für die zukünftige Nutzung der Räumlichkeiten derart, dass wir im vergangenen September den Zuschlag für beide Räume erhielten. Der Vorstand bewilligte daraufhin einen Kredit für ein Vorprojekt, im Rahmen dessen eine Machbarkeitsstudie durchgeführt und ein Pflichtenheft für den Innenausbau erstellt werden konnten.

Von Anfang an war der Gedanke da, dass wir uns auch für geeigneten Wohnraum in der Hornbachsiedlung bewerben wollten. Deshalb reichten wir unser Projekt gleich zu Beginn als Gesamtprojekt ein. Wohnen und arbeiten für Menschen mit Beeinträchtigungen sollte künftig unter dem Namen «Wohnheime im Seefeld» auch in der Hornbachsiedlung möglich werden.

Neben den üblichen Wohnungen wurden in der Hornbachsiedlung auch zwei sogenannte «Clusterwohungen» gebaut. Die 10- und 11- Zimmerwohnungen sollten gemeinschaftlichen Wohninteressen dienen und wurden speziell ausgeschrieben. Nicht durch eine Lotterie, sondern ebenfalls mittels schriftlichem Bewerbungsverfahren konnten sich interessierte Vereine und Gruppierungen für die beiden Wohnungen bewerben. Auch hier war das Zeitfenster sehr kurz. Ende Oktober reichten wir schliesslich unsere Bewerbung für eine Clusterwohnung ein. Danach hiess es Geduld haben. Der Entscheid der Liegenschaftenverwaltung liess denn auch einige Zeit auf sich warten, die wir nutzten, um das Vorprojekt weiterzutreiben und erste Gespräche mit dem Sozialamt des Kantons Zürich über die Bewilligungsfähigkeit des Projekts sowie über allfällige Investitionsbeiträge aufzunehmen.

Ende März 2021 erhielten wir schliesslich die langersehnte Zusage: Wir sind als Mieter für die grössere der beiden Clusterwohnungen ausgewählt worden! 457 m2, verteilt auf drei Etagen, acht Nasszellen, mehrere Teeküchen, eine grosse Gemeinschaftsküche, Gemeinschaftsräume und zwei grosse Terrassen – direkt am See mit Blick aufs Alpenpanorama! Schon in den nächsten Monaten werden wir also in der Lage sein, diesen attraktiven Wohnraum Menschen mit Beeinträchtigungen zur Verfügung zu stellen.

Aber blenden wir nun noch einmal kurz zurück. Ende 2019 verabschiedete der Vorstand nach einer längeren Entwicklungsphase, die im November 2019 mit einem Zukunftstag unter Beteiligung aller Anspruchsgruppen der Wohnheime im Seefeld endete, seine neue Strategie. In Zukunft sollten zwei Hauptziele verfolgt werden: Die Umsetzung der UNBRK sowie die Vorbereitung auf eine grundlegende Änderung der Finanzierungsform der Sozialen Einrichtungen: die Subjektfinanzierung.

Was erst einmal sehr abstrakt tönt, hat in der konkreten Umsetzung grossen Nutzen für Menschen mit Beeinträchtigungen: Freiheit in der Wahl und Zusammenstellung der Betreuungs-, Tagesstruktur und Freizeitangebote, Selbstbestimmung, Partizipation und Inklusion in die Gesellschaft. Mit unseren neuen Angeboten in der Hornbachsiedlung wollen wir genau diese Ziele verwirklichen: Vielfältige, attraktive Angebote für Menschen mit Beeinträchtigungen, mitten in der Gesellschaft, mitten im Leben!

Noch sind wir aber nicht am Ziel. Die Projekteingabe beim Kanton ist unterdessen erfolgt, die Weichen für die Weiterentwicklung des Projekts «Hornbach» sind soweit gestellt, bis zur Verwirklichung und zur Eröffnung der neuen Angebote ist aber noch ein langer Weg. Hierbei sind wir natürlich auch auf Ihre Unterstützung und Mithilfe angewiesen. Wir haben uns ein ehrgeiziges Spendenziel von CHF 1 Million gesetzt, das wir mit Ihrer Hilfe aber sicher erreichen werden. Wir bedanken uns schon jetzt für Ihren Beitrag, ein Beitrag in Richtung einer inklusiven Stadt, in der Menschen mit Beeinträchtigungen nicht mehr am Rand, sondern in der Mitte der Gesellschaft leben werden. 

Herzlichen Dank für Ihre Spende!

«Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung können nur aus Ohnmacht und Abhängigkeit herauskommen, wenn Nichtbehinderte darauf verzichten, sie auszugrenzen und Macht über sie auszuüben. Kulturvermittlung ist mein Fachgebiet: Ich sehe deshalb kein geeigneteres Feld mich für Inklusion zu engagieren und somit Teilhabe für alle an unserer Kultur zu ermöglichen.»

Norina Binkert, Agogik / Kultur


Café (EG), Atelier (2. OG), Clusterwohnung (4.-6. OG)